INNENSTÄDTE MÜSSEN NEU GEDACHT WERDEN

FDP Hanau im Gespräch mit den Hanauer Gastronomen Stefan Gebauer (Klara, Central, Frau Trude) Und Matthias Rieß (Ruderei Hanau) über Mobilität, Gastronomie, Handel und andere Frequenzbringer für Innenstädte

„Die Angebote von Hanaus Handel und Gastronomie wirken weit über die Grenzen der Innenstadt hinaus, deswegen werden wir auch in Zukunft Autos nicht aus der Stadt wegdenken können,“ erklärt der Gastronom Stefan Gebauer, der in Hanaus Innenstadt mit Central, Klara und Frau Trude gleich drei größere Objekte in der Innenstadt betreibt. „Gäste aus dem Umland würden einfach nicht mehr in die City kommen, wenn sie nicht fußläufig von uns parken könnten.“ Gerade jetzt, wo die ersten Schritte des neuen Mobilitätsleitbilds der Stadt Hanau aufzeigen, dass der motorisierte Individualverkehr schneller gewachsen ist als die Bevölkerung, ist die Diskussion um eine autofreie Innenstadt neu entbrannt. „Wir Liberalen setzen im Bereich Mobilität auf eine Angebotskultur, die versucht die Attraktivität von Öffentlichen Verkehrsmitteln und Radwegen zu steigern, die Menschen aus den Randbezirken und dem Umland wollen wir aber auch weiterhin als Kunden und Gäste der Gastronomie halten. Deswegen wird auch das Auto Teil der Mobilität sein müssen“, erklärt der Vorsitzende der FDP Hanau, Henrik Statz. „Unsere Hanauer Gastronomen in der Innenstadt spielen tagsüber ihre Kosten ein aber das Geld wird abends verdient, wenn in das Umland kaum noch Busse fahren und auch die Taktung innerhalb Hanaus dünn wird,“ führt Statz weiter aus. Am Marktplatz kann das durch die Tiefgarage unter dem Markt abgefangen werden, in der Altstadt, wo ebenfalls mehr Gastronomie angesiedelt werden soll, sind die Fußwege von Parkhaus im Forum oder am Heinrich Fischer Bad schon länger. Deswegen haben es hier Konzepte schwerer. Die Pandemie-bedingten Schließungen wirken zudem wie ein Beschleuniger. Betriebe, die vorher gewackelt haben, sind nun kurz vor dem Kollaps und einige Gastronomen, werden genauso wie viele Einzelhändler diese Krise nicht überleben. Deswegen braucht es schon heute Konzepte wie sich die Innenstadt nach der Krise entwickeln soll.

Die Schließungen im letzten Frühjahr haben die Unternehmen unterschiedlich hart erwischt. Einige konnten sich mit Kurzarbeit, Soforthilfen sowie Kredite von KfW und Wi Bank ihre Liquidität sichern. Diejenigen, die kaum Rücklagen hatten, wurden voll erwischt. Auch, weil die unbürokratischen Hilfen oft doch bürokratischer waren und Zahlungen gerne zwei Monate auf sich warten ließen, die mit Eigenmitteln überbrückt werden konnten. Die Stadt Hanau war sich der Not bewusst und legte eigene Förderprogramme, z.B. für Coronamaßnahmen oder Außengastronomie auf und förderte hier 50% der Investitionen bis zu 5.000 Euro. In unsicheren Zeiten ist aber die Investitionsbereitschaft niedrig, weshalb aktuell weniger als 20% der zu Verfügung stehenden Mittel von den Hanauer Gastronomen abgerufen wurden. „Eine Förderung von Marketingmaßnahmen, zum Beispiel für die Gastroboxen oder wenn wieder geöffnet werden kann, wäre eine super Sache,“ findet Stefan Gebauer, denn viele haben Angebote geboren, erreichen aber maximal einen Teil ihrer Stammkunden. Das ist zum Überleben zu wenig. Den Gastronomie-Unternehmern und deren Angestellten fehlt für weitere Investitionen vor allem die Perspektive, wann und unter welchen Umständen wieder geöffnet werden kann. Hier fehlt es an transparenten Grenzwerten, einheitlichen Maßnahmen und an am Ende auch an Geld, da Gastronomen schon immer schwer an Kredite kamen und aktuell noch schwieriger. Auf der anderen Seite hat die Notlage aber auch vielen neue Geschäftsfelder eröffnet. Das Onlinegeschäft boomt – mittlerweile nicht nur im Handel, sondern auch in der Gastronomie. Das rettet aber keine Innenstädte. „Es braucht neue Idee für die Innenstadt,“ erklärt auch Sven Göddel, der als parteiloser Spitzenkandidat bei den Hanauer Liberalen für den Ortsbeirat Innenstadt antritt. „Die Innenstadt braucht eine Diversität bei Frequenzbringern, neben Handel und Gastronomie müssen auch Handwerk, Dienstleistungen und andere Berufe wieder in die City. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, dass Hanau nun bei Immobilien auch vermehrt ins Eigentum gehen kann, um neuen Konzepten eine Möglichkeiten zu geben, ihre Idee live am Markt zu testen“, findet auch Matthias Rieß, der die Ruderei an der Ochsenwiese im Kinzdorf betreibt und wie Stefan Gebauer auf eine langjährige Erfahrung in der Gastronomie zurückblicken kann. Ein zentraler Ansprechpartner für solche Projekte in der Innenstadt, eine Art Kuratorium und ein Beraternetzwerk könnten Gründer bei ihren Business-Plänen unterstützen. „Das Know-how ist ja da,“ sagt Rieß. Flächen für solche Pop-Up-Konzepte gibt es reichlich und sie werden vermutlich mehr. Zum Beispiel könnte auch der alte Stadtladen im Rathaus eine solche Experimentierfläche werden und einen Durchgang zum Schweinemarkt bieten, findet Gebauer, wo zukünftig abschließende Radboxen stehen werden. „Es braucht eine Art City Manager, der sich um die Entwicklung der Innenstadt kümmert, mit Händlern, Gastronomen und Dienstleistern im Gespräch ist und sich für die Weiterentwicklung stark macht,“ findet Henrik Statz. „Und einen Ideenwettbewerb für neue Konzepte. Hier könnte die Stadt Hanau zu einem Gründerwettbewerb über die sozialen Kanäle der Stadt aufrufen. So bekommt die Stadt frische Ideen für die Zukunft.