FDP Hanau zum Hauptbahnhofquartier: Langfristige Einnahmen sind wichtiger als kurzfristige Vermarktungserfolge

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Der Hanauer Hauptbahnhof (Foto: Stadt Hanau)

Das Areal rund um den Hanauer Hauptbahnhof steht vor einem grundlegenden Wandel. Mit einem neuen Entwicklungskonzept sollen Wohnen, Gewerbe, Gastronomie und Mobilität stärker miteinander verbunden werden. Die FDP Hanau begrüßt die Pläne und die frühzeitige Beteiligung der Bürger, hat aber auch einige Anmerkungen. 

Das Hauptbahnhofquartier gehört mit rund 30 Hektar zu den größten städtebaulichen Entwicklungsflächen Hanaus. Allein das ehemalige Heraeus-Quarzglas-Areal umfasst rund 48.000 Quadratmeter. Mit dessen Umgestaltung, einem neuen Bahnhofsvorplatz, dem geplanten „Haus rund um das Erwerbsleben“ sowie weiteren gewerblichen und gastronomischen Angeboten soll sich das Umfeld des Hauptbahnhofs in den kommenden Jahren grundlegend verändern.

Bereits im Kommunalwahlprogramm 2026 hatten die Liberalen die „Entwicklung des Hauptbahnhofareals als modernes urbanes Gebiet für Handel, Gastronomie, Bildung, Dienstleistung und Wohnen mit einzigartiger Infrastruktur“ gefordert. Der ehemalige FDP-Oberbürgermeisterkandidat Henrik Statz ergänzt:

„Eine städtische Neuplanung muss immer auch die Frage beantworten, wie wir die wirtschaftliche Basis und damit die Einnahmeseite unserer Stadt langfristig stärken. Selbstverständlich braucht Hanau zusätzlichen Wohnraum. Aber Stadtentwicklung darf sich nicht auf Wohnraumentwicklung beschränken. Gerade an einem hervorragend angebundenen Standort wie dem Hauptbahnhof müssen wirtschaftliche Entwicklung, neue Arbeitsplätze und zusätzliche Wertschöpfung konsequent mitgedacht werden.“

Auch das derzeit schwierige Marktumfeld dürfe nach Ansicht von Statz nicht dazu führen, langfristige Entwicklungschancen aufzugeben: „Stadtplanung schafft Strukturen für Jahrzehnte. Deshalb müssen wir heute Flächen und Möglichkeiten für Handel, Dienstleistungen, Bildung und andere gewerbliche Nutzungen sichern, auch wenn sich nicht jedes Konzept unmittelbar realisieren lässt. Angesichts der finanziellen Herausforderungen der Kommunen sollte die Stärkung der wirtschaftlichen Basis bei solchen strategischen Entwicklungsflächen einen besonders hohen Stellenwert haben.“

Marc Schmidt, Vorsitzender der Hanauer Liberalen betont: „Der Hauptbahnhof ist für viele Menschen der erste Eindruck von Hanau. Deshalb dürfen wir hier nicht nur einzelne Gebäude entwickeln, sondern müssen ein Quartier schaffen, das wirtschaftlich funktioniert und gleichzeitig ein attraktiver Ort zum Ankommen, Arbeiten und Leben ist. Dass Gewerbe, Dienstleistungen, Gastronomie und Wohnen gemeinsam gedacht werden, entspricht genau dem Ansatz, den wir in unserem Wahlprogramm formuliert haben.”

Bürger frühzeitig in die Entwicklung einbeziehen

Positiv bewertet die FDP auch die geplante Bürgerbeteiligung. Im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts sollen Bürgerinnen und Bürger ihre Erfahrungen und Vorstellungen über die städtische Beteiligungsplattform einbringen können. Die Online-Beteiligung läuft bis Mitte Oktober. Zusätzlich lädt die Stadt am 26. September zu einem gemeinsamen Quartiersspaziergang ein. Angesprochen sind ausdrücklich nicht nur Anwohner, sondern auch Menschen, die dort arbeiten, zur Schule gehen oder den Hauptbahnhof regelmäßig nutzen.

Für die FDP entspricht dieser Ansatz auch einem liberalen Grundverständnis kommunaler Politik: Entscheidungen sollten möglichst nah an den Menschen getroffen werden, die von ihnen betroffen sind. Bürgerbeteiligung soll dabei nicht politische Entscheidungen ersetzen, sondern Wissen und Erfahrungen der Menschen vor Ort frühzeitig in die Entscheidungsfindung einbringen.

„Für uns Liberale bedeutet Bürgerbeteiligung mehr als die Möglichkeit, fertige Pläne zu kommentieren. Subsidiarität heißt auch, Entscheidungen möglichst nah bei den Menschen zu treffen, die ihre Auswirkungen später erleben. Wer täglich am Hauptbahnhof ankommt, dort arbeitet oder das Quartier durchquert, kennt seine Stärken und Schwächen. Dieses Wissen sollten wir frühzeitig für die Planung nutzen“, erklärt Dr. Michael Heinrich, stellvertretender Vorsitzender der FDP Hanau.

Für die FDP ist dabei entscheidend, dass aus der Beteiligung anschließend auch konkrete und wirtschaftlich umsetzbare Planungen entstehen. Das Quartier müsse langfristig genügend Raum für private Investitionen und neue Unternehmensansiedlungen bieten. Die Hanauer Liberalen hatten sich bereits im Kommunalwahlkampf für mehr Gewerbeflächen und weitere Unternehmensansiedlungen sowie für die Entwicklung hybrider Quartiere gemeinsam mit der Privatwirtschaft ausgesprochen.

Aus einem Verkehrsknoten soll ein Stadtquartier werden

Eine besondere Chance sieht die FDP in der Funktion des Hauptbahnhofs als zentraler Mobilitätsdrehscheibe. Wie stark der Standort bereits heute genutzt wird, zeigt der Nahverkehrsplan der Stadt: Allein bei den Hanauer Stadtbussen werden am Hauptbahnhof täglich rund 7.900 Ein- und Ausstiege gezählt. Bahnreisende sind in dieser Zahl noch nicht enthalten.

Der geplante neue Busbahnhof, zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten mit mehreren Hundert Stellplätzen und Parkmöglichkeiten sollen mit den neuen Nutzungen im Quartier zusammengedacht werden. Die Stadt geht davon aus, dass die vollständige Entwicklung des Gesamtareals noch etwa zehn Jahre in Anspruch nehmen wird.

Gerade für neue Unternehmen sieht die FDP in dieser Lage wirtschaftliches Potenzial

„Das Hauptbahnhofquartier kann gerade für Gründer und Start-ups ein hochinteressanter und aus allen Richtungen gut erreichbarer Standort werden. Wenn wir diese Erreichbarkeit mit modernen Büro- und Forschungsflächen sowie einer hohen Wohn- und Aufenthaltsqualität verbinden, entsteht ein Umfeld, in dem junge Unternehmen Mitarbeiter gewinnen und wachsen können. Das ist, auch in Kombination mit der Entstehung zusätzlicher Rechenzentren, eine große wirtschaftliche Chance für Hanau“, so Sebastian Bach, stellvertretender Vorsitzender der Hanauer Liberalen. 

Der Hauptbahnhof dürfe langfristig nicht ausschließlich ein Ort sein, den Menschen möglichst schnell wieder verlassen wollen. Das Ziel müsse ein funktionierendes Stadtquartier mit kurzen Wegen und einer Mischung unterschiedlicher Nutzungen sein.

Für die FDP Hanau ist die aktuelle Entwicklung deshalb ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der bereits im Kommunalwahlprogramm formulierten Ziele für das Hauptbahnhofareal. Entscheidend werde nun sein, Bürgerbeteiligung, wirtschaftliche Entwicklung und städtebauliche Qualität miteinander zu verbinden und das Potenzial des rund 30 Hektar großen Areals konsequent zu nutzen.