MINT-Werkstatt Großauheim: Wo Industriegeschichte auf die Zukunft trifft
Industrie, Technik und Forschung prägen Großauheim und Wolfgang seit Generationen. Die neue MINT-Werkstatt Großauheim verbindet diese Tradition nun mit einem modernen Bildungsangebot für Kinder. Im Industriemuseum Großauheim können sie experimentieren, konstruieren, programmieren und mathematische Zusammenhänge spielerisch entdecken – das Angebot kommt an: Für die erste Auflage des Programms waren nach wenigen Tagen bereits alle Plätze ausgebucht.
Der Standort für die MINT-Werkstatt Großauheim ist bewusst gewählt. Im Industriemuseum treffen die industrielle Vergangenheit des Stadtteils und die Technologien der Zukunft unmittelbar aufeinander. Großauheim ist bis heute eng mit Industrie und Technik verbunden. Im benachbarten Wolfgang setzt sich diese Tradition unter anderem mit dem Evonik-Standort und seinen Forschungsabteilungen fort.
Genau diese lokale Identität greift die MINT-Werkstatt Großauheim auf. Kinder sollen erfahren, dass Technik, Naturwissenschaften und Forschung keine abstrakten Themen sind, sondern unmittelbar mit der Geschichte und Gegenwart ihres eigenen Stadtteils verbunden sind.
Neugier wecken statt zusätzlichen Unterricht schaffen
„Wir wollen keinen zusätzlichen Schulunterricht anbieten, sondern Begeisterung wecken. Kinder sollen ausprobieren, Fragen stellen und selbst herausfinden, warum etwas funktioniert. Großauheim ist über viele Jahrzehnte durch Industrie, Technik und Menschen mit technischem Know-how geprägt worden. Ich finde, es passt deshalb hervorragend zu unserem Stadtteil, gerade hier Kindern Lust auf MINT und damit auch auf Zukunft zu machen“, erklärt Initiator und Mitglied des Ortsbeirats Großauheim/ Wolfgang für die FDP Dr. Thomas Göbel.
Das freiwillige Angebot richtet sich zunächst insbesondere an Kinder der dritten und vierten Klassen. Gestartet wird das Programm am 23. September 2026, immer mittwochs zwischen 15 und 16.30 Uhr. Über mehrere Wochen können sie selbst experimentieren, technische Aufgaben lösen, erste Erfahrungen mit dem Programmieren sammeln und Mathematik spielerisch entdecken.
Die Bedeutung früher MINT-Förderung zeigen nach Angaben der Initiatoren auch die aktuellen PISA-Ergebnisse. Demnach erreichen rund 73 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland in den Naturwissenschaften mindestens das Grundkompetenzniveau, in Mathematik sind es 66 Prozent. Gleichzeitig bezeichnet sich eine große Mehrheit der Jugendlichen als neugierig – eine Eigenschaft, an die die MINT-Werkstatt bewusst anknüpfen möchte.
Schule, Stiftung, Handwerk, Museum und Ehrenamt
Möglich wird das Projekt durch ein Netzwerk lokaler und regionaler Partner. Unter der Trägerschaft der Kathinka-Platzhoff-Stiftung bündelt die MINT-Werkstatt Großauheim die Kompetenzen von Schulen, Handwerk, Museum und Ehrenamt. Die Stiftung verantwortet dabei die organisatorische und pädagogische Begleitung des Projekts.
Ralf Schlosser, Bereichsleiter Bildung der Kathinka-Platzhoff-Stiftung, sieht gerade darin eine besondere Stärke: „Kinder lernen besonders nachhaltig, wenn sie selbst entdecken und ausprobieren können. In der MINT-Werkstatt kommen Schulen, Stiftung, Handwerk, Ehrenamt und industrielle Tradition zusammen, um genau diese Lernräume zu schaffen. Das Projekt verbindet die technische Geschichte Großauheims mit den Zukunftsthemen von morgen. Deshalb unterstützen wir es sehr gerne.“
„Für uns als Kreishandwerkerschaft ist es wichtig, diese Begeisterung frühzeitig zu fördern und zu zeigen, wie eng MINT und modernes Handwerk miteinander verbunden sind. Deshalb bringen wir uns gerne als Bildungspartner in die MINT-Werkstatt ein und möchten insbesondere im Modul ‚Mini-Ingenieure‘ praktische Einblicke in die vielfältige Welt des Handwerks ermöglichen. Wer Kinder heute für Technik und handwerkliches Gestalten begeistert, legt zugleich einen wichtigen Grundstein für die Fachkräfte von morgen“, fügt Nicole Laupus, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Hanau, hinzu.
Bildung vor Ort gemeinsam gestalten
Die MINT-Werkstatt soll bewusst niedrigschwellig angelegt sein. Entscheidend sind nicht die Vorkenntnisse eines Kindes, sondern Interesse, Neugier und Freude am Entdecken. Damit soll das Angebot möglichst vielen Kindern einen Zugang zu Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik eröffnen.
„Wir werden die Herausforderungen, die PISA beschreibt, nicht allein in Großauheim lösen. Aber wir können vor Ort handeln. Wenn Schule, Stiftung, Handwerk, Museum und Ehrenamt ihre Kompetenzen zusammenbringen, entsteht etwas, das weit über einen einzelnen Nachmittagskurs hinausgeht“, so Göbel.
Das Interesse am Pilotprojekt ist bereits groß: Schon nach wenigen Tagen waren alle Plätze ausgebucht gewesen. Nach Abschluss soll gemeinsam mit den beteiligten Partnern ausgewertet werden, welche Erfahrungen gemacht wurden und wie das Angebot weiterentwickelt werden kann. So verbindet die MINT-Werkstatt, was Großauheim und Wolfgang seit Generationen prägt: industrielle Tradition, technisches Wissen und Forschung – mit der Neugier der Kinder und den Technologien und Berufen von morgen.
